Hafengespräch: Bootn!

Allein deswegen macht es soviel Spaß, in einem Hafen zu liegen. Unser Bootn! ist immer Gesprächsthema. Heute früh, ich sitze inkognito unter Deutschlandflagge und mit Kaffee im Cockpit, belausche ich zwei Italiener, die fachsimpeln, und scheinbar nicht glauben, dass ich sie verstehe.
„Si, guardando è bellissima, ma tutta la cura, i lavori e anche i soldi …“ – „Si, tutto in legno, mi piace molto, ma mangia soldi!“ – „Ma veramente bella!“ … „Ma un mangiasoldi, un mangiasoldi …“ … „Ma bella.“
Das heißt soviel wie, unser Bootn! sei wunderschön, so aus Holz, aber die viele Arbeit und Pflege, und ein Geldfresser, ein echter Geldfresser. Aber schön!
Ich denk mir – welches Boot kein Euroscheinmampfer? Und die Arbeit mit dem Holz, die macht man sich auf andren Booten an anderer Stelle.
Die beiden hingen ein bisschen zwischen Bedauern und Beneiden, und es wirkt als ob sie glauben, dass auch wir unvernünftigen jungen Dinger irgendwann beim Plastikboot landen.
Die Assajé genießt die Komplimente einfach. Wir werden oft gefragt, ob sie eine alte „Sangermani“ ist, eine klassische italienische Bootsmarke, die vor allem alte Seebären hier kennen. Oder eine alte Swan. Nein, eine Vindö, eine schwedische Yacht. Man ist begeistert.
Vor allem die Italiener. Von denen hört man fast ausnahmslos „com’è bella la vostra barca!“ oder gar „Assajé? Come il vino? Buono!“
Schweden erkennen sie sofort, in ihren Gewässern fahren viele Vindös, der Anblick ist ihnen vertraut und zaubert ein Lächeln auf die Nordgesichter.
Die deutschen Segler können sich selten einen kritisch-klugsch… Kommentar verkneifen, gehört wurde schon, dass wir das Boot ja falsch rum (Nase nach vorn zum Steg) einparken würden, oder ob man das putzen und ausbessern denn auch sorgfältig machen. Im besten Fall hören wir: „Ist das ne Vindö? Hatte ich auch mal. Schön!“
Immerhin, in einem sind sich alle, gleich welcher Nationalität, mit uns einig: die Assajé ist meistens – wenn nicht irgendein alter Lateinsegler, Zweimaster oder ein Designwunder schon da liegt – das schönste Boot am Steg.

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