Da liegen wir seit dem Nachmittag in einer hübschen kleinen Bucht östlich von Castelsardo fest vor Anker und denken, das grosse Los gezogen zu haben.
Malerisch liegt die von Genuesern um 1100 gegründete Stadt mit einem Castello, erhaben auf dem Felsen, der ins Meer ragt … Und wir liegen direkt darunter. Die Sonne beschreibt dahinter gerade ihren Kreis, um später leuchtend rot ins Wasser zu fallen. Perfekt.
Denken wir …
Denn bald nach unseren Schwimmrunden macht sich Unruhe auf dem Meer breit. Wellengang vom Feinsten, unregelmässig, zwischen 1/2 und 1 Meter bei 5 Metern Wassertiefe relativ weit draussen, die langen „erfahrenen“ Wellen von weiter her treffen die Assaje seitlich, so dass sie immer wieder über die Längsachse in starkes Schwanken gerät – das sieht nach ner durchgehenden Ankerwache aus.
Wir entscheiden uns, nach dem Abendessen und vor Sonnenuntergang den Ankerplatz zu wechseln und folgen der Meute (ob das richtiger war, ist kaum zu beantworten) – drei andere Segler stehen näher an der Stadt und wir meinen, sie weniger in den Wellen wackeln zu sehen.
Hat aber wohl getäuscht. Nix kuschlig oder gemütlich, es ist ein einziges Auf und Ab, denn mit fast keinem Wind ist die Assajé ein kleiner Spielball der Wellen.
Keiner von uns beiden schläft so richtig. Aber: Die ganze Nacht hält der Anker bombenfest, auch wenn das Boot mehrmals Kreise drumrum beschreibt. Um vier Uhr – Nacht und Meer sind noch schwarz, ist es gefühlt am heftigsten. Wir sind wach. Und zwei Stunden später todmüde.
Einzig die Kulisse hält was sie verspricht: Ein herrlicher Sonnenuntergang, am Horizont zieht eine kleine Regenfront durch, lässt uns aber in Ruhe, der beleuchtete Burgfels in der Nacht ist richtig schön, auch morgens, als die Sonne aufgeht.
Für morgen ist ein fettes Tief angesagt, mit dem wir ungern die Nordwestspitze umfahren mögen. Wir werden heute in den Hafen von Castelsardo einlaufen, einen Tag bleiben, die Stadt erkunden, zwischendurch ausschlafen. Und morgen früh nach Stintino fahren, um dort ein, zwei Tage zu bleiben und ggf. vor Asinara etwas zu segeln und die weissen Esel zu besuchen.
Dialog des Tages: Wenns gleich platsch macht, bin ich beim Piseln reingefallen – Das MoB-Manöver kannst du dann ja selber schwimmen 🙂



