Cala di Volpe: Autobahnraststätte für Megayachten

Morgenbad! Ende Juni, und das Meer ist noch immer relativ kühl, aber egal! Wir sind nach einer ankerwachen Nacht etwas gerädert vor der Isola di Figarolo aufgewacht und ich muss einfach in dieses Traumtürkiswasser reinspringen! Von Land aus gucken vier Spaziergänger interessiert zu und falls sie das denken: Ja, so ein Bad vom Boot aus ist wirklich toll.

Figarolo: Traumwasser für das Morgenbad
Figarolo: Traumwasser für das Morgenbad

Der nächste Badestopp ist zur Mittagszeit geplant. Unser Ziel: Cala di Volpe an der Costa Smeralda. Könnte der ein oder andere schonmal gehört haben, denn das ist die Bucht, in der das gleichnamige Hotel Cala di Volpe liegt, eine der exklusivsten Herbergen der ganzen Insel.

Die Bucht kennen wir bislang nur von Land und wollen nun auch mit dem Boot dort ankern. Wir rechnen damit, ein paar große Yachten zu sehen, denn hier ist auch der bevorzugte Ankerplatz der Reichen und Schönen.

Einmal neben dem Scheich von Qatar ankern: AL MIRQAB
Einmal neben dem Scheich von Qatar ankern: AL MIRQAB

Was wir dann sehen, haut uns allerdings spontan mal von den Socken. Hier liegt die „AL MIRQAB“, mit 133 Metern steht sie aktuell auf Platz 11 der Liste der längsten Motoryachten. Sie gehört Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, dem Emir von Qatar, der wiederum der Drahtzieher des Konsortiums Costa Smeralda ist.

Wir fahren dicht vorbei und staunen. Und dann gleich noch einmal, denn direkt daneben liegt die 163 Meter lange „Eclipse“ von Roman Abramowitsch – bis vor kurzem die längste Privatyacht der Welt (übertrumpft erst in diesem Jahr von der „Azzam“ mit 180 Metern, die einem saudischen Investor gehört).

Ehrfurcht? Pustekuchen. Wir ankern  mit unserer 8,90 m langen Assajé in direkter Nachbarschaft der beiden Riesen und fühlen uns pudelwohl! Das ist wie mit einem VW Käfer Cabrio neben einem Audi R8 parken. Da muss sich keiner verstecken, es ist einfach ein ganz anderes Prinzip und nicht vergleichbar.

Cala di Volpe und Strandshuttle
Cala di Volpe und Strandshuttle

Und auch als die einen vom Yacht-Lieferdienst ihr Mittagessen bekommen und die anderen per Tender ins Cala di Volpe gefahren werden (das war doch Kevin Costner, der da zu uns rüber gelächelt und gegrüßt hat?!), sind wir mit unserem Topf Malloreddu al Tonno e Olive sehr zufrieden. Auf unserem Boot sind wir einfach glücklich!

Das einzige, was massiv an der Cala di Volpe stört, ist der Verkehr. Hier wird einer von der hoteleigenen Strandbucht abgeholt, da wird einer hingebracht, und das im Viertelstundentakt, hier kommt ein neuer Plastikmotoryachtjoghurtbecher und ankert, da legt einer ab. Dann düst ein Jetski vorbei (der Trend geht übrigens zum Viert- und Fünft-Jetski…). Natürlich dreht jedes kurzschwanzige Crewmitglied den Motor noch extra auf … eine Welle nach der anderen, Motorengeäusche ohne Ende.

Eclipse
Eclipse

Marc und ich sind uns schnell einig: Es ist schon hübsch hier, und wir kommen wohl auch noch mal wieder – aber in der Nebensaison! Und so richtig überzeugt der Hotspot auch aus anderen Gründen nicht: Wir haben im Revier weiter nördlich tatsächlich schon hübschere Plätze gesehen. Wir würden der Costa jede Bucht im Arcipelago di La Maddalena vorziehen.

Aber noch sind wir hier, und es gibt viel zu gucken, das Fernglas Modell Spanner leistet heute gute Dienste. Leider nichts skandalöses, bild- oder galataugliches, aber wir stellen fest: Schon auf den kleinen Motoryachten ist Hackfresse Pflicht. Man darf auf keinen Fall zu fröhlich oder glücklich wirken – wie ordinär! Neinnein, die ältere Dame von Welt schaut möglichst genervt, und kommandiert die Crew herum. Der alte Geldsack hält seinen Wohlstandsbauch fett in die Sonne, während die schlanken Gespielinnen sich – immer auf perfekte Erscheinung und Lage zur Sonne achtend – an Deck räkeln.

Auch die Gala spare ich mir diese Woche. Gerade fährt nämlich Flavio Briatore in einem hübschen schnittigen Van Dam Motorboot (vermutlich der Tender zu seiner Yacht) vorbei und die Küste entlang.

Fische jagen Futter
Fische jagen Futter

Wir wenden uns wieder dem normalen Leben zu. Zwei Möwen schwimmen in der Nähe der Assajé, wir wollen ihnen etwas alt gewordenes Brot zuwerfen – aber die Fische rund um unser Boot sind schneller! Sie springen rasant und geübt aus dem Wasser und schnappen den Vögeln ihr Futter weg. Sehr lustig!

Gegen 14 Uhr finden wir, genug gesehen zu haben und machen uns auf den Weg in den zweiten Heimathafen der Assajé, nach Palau!

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